Barbara Posch

Determinanten des Glücks

„Glück macht Schule“ lautet die Initiative des steirischen Landesschulrates. An ausgewählten Pilotschulen im Süden von Österreich wird seit 2009 das Unterrichtsfach „Glück“ gelehrt. Die Ziele an das neue Unterrichtsfach sind hoch gesetzt: Das Schulfach „Glück“ soll

  • glückliche und selbstsichere SchülerInnen ausbilden,
  • Lebenskompetenzen vermitteln,
  • die psychische und körperliche Gesundheit der Kinder und Jugendlichen fördern,
  • zur Gewaltprävention beitragen sowie
  • die Lehrern im Umgang mit den täglichen Belastungen unterstützen (Burn Out-Prophylaxe).

Die Inhalte orientieren sich an der Hirnforschung und an den Erziehungswissenschaften und es wird, ganz im Sinne der Positiven Psychologie davon ausgegangen, dass Glück erlernbar ist und sich im erfolgreichen Handeln widerspiegelt (Selbstwirksamkeit).

Die Positive Psychologie, ein in den USA von Martin Seligman gegründetes Forschungsprogramm beschäftigt sich mit der Frage, was das Leben positiv macht. Denn das Ausschalten von Unglück bringt nicht automatisch Glück. Subjektives Wohlbefinden muss aktiv angestrebt werden (vgl. Seligmann, 2005). “Es geht nicht mehr nur darum, Schäden zu begrenzen – und von minus acht auf minus zwei der Befindlichkeitsskala zu kommen -, sondern wie wir uns von plus zwei auf plus fünf verbessern können” (Seligman, 2005). Schwerpunkte der Positiven Psychologie sind daher: Glück, Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen, Verzeihen und Solidarität.

Charakteristisches Merkmal besonders resilienter und positiver Menschen scheint Ihre Flexibilität im Umgang mit Emotionen zu sein: Sie nehmen Ihre Gefühle bewusst wahr und vermögen diese auch positiv, gerade in schwierigen Situationen zu verändern. Darüber hinaus nennen Forscher weitere drei Faktoren, die helfen Glück zu empfinden:

  • Hedonismus: Die Beschäftigung mit Dingen, die Genuss bereiten, angenehm und lustvoll sind (wie Reisen oder gutes Essen).
  • Sinnerfülltes Leben: Glück empfindet, wer im Alltag tieferen Lebensinn findet.
  • Aktives Leben: Wenn Sie in Ihrem Job über einen hohen Grad an Selbstbestimmtheit verfügen und wenn sich die eigenen Interessen mit den Inhalten der Arbeit decken.

Die gute Nachricht: Glücksempfinden ist kein Naturzustand, sondern das Ergebnis andauernder Persönlichkeitsbildung. Gemäß den Vertretern der Positiven Psychologie kann sich jeder Mensch durch eigene Willenskraft die sogenannten „Determinanten des Glücks“ aneignen und diese auch verstärken (siehe PDF „Die 24 Charakterstärken“).

Die schlechte Nachricht: Das Glücksempfinden ist weitaus komplizierter, als es mitunter den Anschein hat. Laut Seligman spielen bis zu 50 Prozent Vererbung und Genetik eine Rolle. Die restlichen 50 Prozent liegen in den eigenen Händen.

Nicht nur die Lebensqualität wird durch eine zuversichtliche Lebenseinstellung verbessert, sondern auch die Lebenserwartung ist eine höhere. Forschungen zeigen, dass zuversichtlich gestimmte Menschen weniger anfällig für Krankheiten, wie Infekte oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Unsere Zuversicht zu stärken ist somit nicht nur für das Glücksempfinden zentral, sondern hält uns auch körperlich fit.

Hier einige Gedankenimpulse, die Ihnen auf Ihrer Glückssuche helfen können:

* Erfolgreiche Mühsal: Sich in seine Arbeit zu vertiefen, dabei die Begrenzungen der Außenwelt vergessen – das kann ungemein befreiend sein.

* Generationenwechsel: Aus dem Geschlechterklischee ausbrechen, die Dinge selbst in die Hand nehmen – das verschafft ein Gefühl der Eigenwirksamkeit

* Zur Ruhe kommen: Glücksempfinden ist kein Naturzustand, sondern das Ergebnis dauerhafter Persönlichkeitentwicklung

* Vergänglichkeit: Wer optimistisch in die Zukunft sieht, ist weniger anfällig für manche Krankheiten sowie die Begleiterscheinungen des Älternwerdens

* Arbeit und Muße: Auf das rechte Maß kommt es an: Im Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung liegt das „Geheimnis“ des guten Lebens

* Einfache Küche: Um glücklich zu sein, bedarf es mitunter wenig. Gut zu essen zählt für Menschen zu einer der lustvollsten Erfahrungen überhaupt

* Fenster zum Hof: Wer im Alltag tieferen Lebenssinn findet und die eigenen Stärken in den Dienst einer höheren Sache stellen kann, steigert sein Glücksempfinden

* Naturschönheiten: Ein aktives Leben, bei dem auch eigene Interessen im Vordergrund stehen, führt meist zu einem stabilen Wohlgefühl

Positive Psychologie_Die 24 Charakterstaerken_GeoWissen 47_2011

(Quelle: “Auf der Suche nach den Quellen des Glücks” von Bertram Weiss. In: GeoWissen “Glück, Zufriedenheit, Souveränität”, Nr. 47/2011)